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Urlaub in Disentis, Graubünden, Schweiz | Juni 2014

Die Entscheidung war nicht leicht: Eine Woche Badeurlaub oder zwei Wochen Schweiz? Letzteres war am Ende günstiger als ein wesentlich kürzerer aber umso stressigerer Flug zum Beispiel nach Griechenland. Und so erfolgte wie 2013 eine Buchung in einem REKA-Feriendorf, wieder in Graubünden, jedoch in einer anderen Ecke: in Disentis/Mustèr unweit der Rheinquelle.

Die Fahrt dorthin führte bei heißem Kaiserwetter über die A7 und A96 Richtung Süden, an Lindau vorbei, durch den knapp 7km langen Pfändertunnel, Wechsel bei Altach/Götzis auf die Schweizer Rheinseite und weiter das Rheintal entlang über Reichenau zu unserem Zielort. Im Bereich der Vorderrheinschlucht zwischen Reichenau und Ilanz entschieden wir uns für die landschaftlich reizvolle und vor allem abenteuerliche südliche Route über Versam und Valendas mit Tiefblicken in den wilden Grand Canyon der Schweiz.

Grand Canyon der Schweiz - Die Rheinschlucht bei Ilanz
graphic-design Offizielle Webseite Disentis-Sedrun

Aufgrund der Hitze auch auf über 1100m üNN – selbst am Abend kühlte es nur zögerlich ab – fuhren wir am folgenden Tag auf den 2044m hohen Oberalppass an der Kantonsgrenze Graubünden-Uri. Die Schneereste des letzten Winters waren noch allgegenwärtig, sogar der Pass-See war noch teilweise vereist. Und so kamen die Kids in den Genuss einer Schneeballschlacht, welche der milde Winter zu Hause nicht bieten konnte. So verbrachten wir einen schönen Tag bei wolkenlosem Himmel an einem schönen Picknick-Plätzchen direkt am Seeufer.

Fast noch winterlich ist es auf dem Oberalppass
graphic-design Wiki Oberalppass

Rundweg am Oberalppass:

Den Oberalppass überquerten wir im Laufe unseres Aufenthaltes noch mehrmals, zum Beispiel für einen Abstecher nach Andermatt und in die wilde Schöllenenschlucht.
Die Reuss stürzt hier laut rauschend zwischen himmelhohen Felswänden zu Tal und aufgrund der bewegten Geschichte ranken sich allerlei Sagen und Mythen um den Ort. Zum Beispiel heißt es, dass die Urner am Bau einer Brücke über die Schlucht immer scheiterten, was den Landammann irgendwann zum Ausspruch „Do sell der Tyfel e Brigg bue!“ (Da soll der Teufel eine Brücke bauen!) veranlasste. Prompt stand der Teufel zur Stelle und schlug den Urnern einen Pakt vor: Er baut die Brücke und bekommt als Gegenleistung die Seele desjenigen, der als Erster die Brücke überquert. Die schlauen Urner jedoch schickten statt eines Menschen nur eine Ziege über die Brücke. Aus Rache warf der Teufel einen riesigen Felsbrocken nach der Brücke, verfehlte diese jedoch. Der Stein landete stattdessen unterhalb Göschenens, wo er als „Teufelsstein“ noch immer neben der Autobahn zu sehen ist. Und nicht nur das, er wurde beim Bau der Autobahn keineswegs gesprengt, sondern um mehr als 100m an seinen jetzigen Ort verschoben.
Grandios ist der 2013 neu angelegte Schlucht-Rundweg, der beim Parkplatz an der Teufelsbrücke starten und mittels eines Stollens, der ursprünglich vom Militär verwendet wurde, die senkrechte Felswand an der Nordseite hinterquert. Spektakulär darf der Weg durch diese Schlucht also genannt werden, hinter jeder Ecke gab es neue Einblicke in den Abgrund, immer wieder sah man in der aufstiebenden Gischt der Reuss kleine Regenbogen und ab und zu polterte ein Zug der Matterhorn-Gotthard-Bahn über den nahen Viadukt.

Teufelsbrücken
graphic-design Wiki Schöllenenschlucht

 Der Schlucht-Rundweg:

Mehr zufällig haben wir bei der Urlaubsvorbereitung gesehen, dass eine Etappe des Profi-Radrennens „Tour de Suisse“ während unseres Urlaubs über den Gotthardpass führt. Da dieser berühmte Alpenübergang eh auf dem Programm stand, haben wir das natürlich verbunden. Und so ging es ein drittes Mal über den Oberalppass, dann durch die Schöllenenschlucht hinunter nach Göschenen, wo wir im Nordportal des 17km langen Gotthard-Straßentunnel verschwanden, der uns erst in Airolo im Tessin wieder frei ließ. Der weitere Weg zu unserem Tour-de-Suisse-Zuschauerplatz führte durch die berühmte Tremola auf der alten, teils gepflasterten Gotthard-Straße in zig Spitzkehren in Richtung Passhöhe. Auf halber Höhe postierten wir uns – bei heute leider kühlem und nebligem Wetter – wie viele andere Schaulustige am Straßenrand und warteten auf die Pedalritter. Leider war die Werbekarawane weit weniger spendabel als im letzten Jahr in Bergün, was natürlich vor allem die Kinder störte. Ausgefroren waren wir im Anschluss über einen warmen Kaffee bzw. Kakao im Passrestaurant sehr dankbar.

Die Etappe führte von Bellinzona TI nach Sarnen OW
graphic-design Tour de Suisse

 GPS-Track Gotthard-Tour:

Vor allem in der ersten Urlaubswoche herrschten teils Hitze-Temperaturen von um die 30°C. Und da es in der Umgebung ein reiches Angebot an Badeseen und Abenteuerspielplätzen samt Feuerstellen gibt, machten wir davon auch rege Gebrauch. Erwähnt seien an dieser Stelle zum Beispiel die Badeseen am Campingplatz „Fontanivas“ oder der nigelnagelneue Lag Surrein bei Sedrun, der seine Entstehung dem Bau des Gotthard-Basistunnel zu verdanken hat.

Noch ein toller Badesee: Der Lag Surrein bei Sedrun
Letzter Tag eines sehr schönen Urlaubs …

Nach dem Frühstück werden Auto beladen und Schlüssel abgegeben. Dann geht es zum letzten, wahrscheinlich DEM Höhepunkt des Urlaubs: Über den Oberalp (zum 4. Mal) fahren wir nach Realp UR am Fuße des Furkapasses, vom dortigen Bahnhof bringt uns die Matterhorn-Gotthard-Bahn durch den 15km langen Furka-Basistunnel nach Oberwald VS. Dort besteigen wir einen Dampfzug der Dampfbahn Furka Bergstrecke, gezogen von der HG ¾ „DFB1-Furkahorn“.
Die 101-jährige alte Dame wurde 1913 von der SLM Winterthur gebaut und nach dem Ende der Dampfära nach Viatnam verkauft, wo sie 1967 endgültig ausrangiert wurde. 23 Jahre später, anno 1990, wurde die Lok zusammen mit mehreren Schwestern im Rahmen der Aktion „Back to Switzerland“ aus dem vietnamesischen Dschungel geholt, nach Europa verschifft und anschließend im Dampflokwerk Meinigen aufgearbeitet. Seit 1992 dampft sie nun schon wieder über die Furka.
Bei wolkenlosem Himmel erleben wir nun in ca. 2,5 Std. eine atemberaubende Reise von Oberwald über Gletsch zurück nach Realp mit einem kleinen Verpflegungshalt in Furka Station auf knapp 2100m. Unterwegs-Highlights sind u.a. die kleine Hotelsiedlung Gletsch, der Furka-Scheiteltunnel, Station Tiefenbach, die 3 Tunnels auf der Alt-Senntumstafel und die Wilerbrücke kurz vor der Endstation.

In der Rottenschlucht zwischen Oberwald und Gletsch
graphic-design Offizielle Webseite Dampfbahn Furka Bergstrecke
treiber-ansbach treiber-ansbach.de | Furka Dampfbahn
treiber-ansbach treiber-ansbach.de | DFB Eröffnung 2010
treiber-ansbach treiber-ansbach.de | DFB-Fotoalbum

 GPS-Track Furka-Dampfbahn:

Nach einem wohlverdienten Eis im DFB-Bahnhof Realp steigen wir wieder ins Auto und machen uns auf die Heimreise über Andermatt-Schöllenen-Gotthardautobahn-Axenstraße-Schwyz-Sattel-Zürich-Schaffhausen-Stuttgart. Am Autoradio lauschten wir dem WM-Spiel Deutschland-Ghana, welches uns fast leere Autobahnen und somit eine entspannte Fahrt bescherte.

treiber-ansbach Zum Fotoalbum Urlaub Disentis 2014

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